Die Kunibert-Kirche

Am südöstlichen Rand von Untereises­heim auf einer markanten Anhöhe gelegen, ist vom östlichen Neckartal aus gesehen, die Kunibert-Kirche mit ihrer beherrschen­den Stellung nicht zu übersehen.

Die Anfänge des Kirchengebäudes liegen im Dunkeln. Der Name der Kirche wird Ende des 13. Jahrhunderts erstmals erwähnt und geht sicherlich auf den Bischof Kunibert von Köln zurück, der von 590 - 663 gelebt hat.

Der baufällige Kirchturm musste im Jahr 1561 total erneuert werden und wurde auf dem Gewölbe der alten Sakristei erbaut.

Der Gottesdienstbesucher durchschreitet heute beim Eintritt in die Kirche die Reste der Sakristei der alten Kirche.

Der Turm selbst hat alle Zerstörungen des 30-jährigen Krieges überstanden und ist somit das älteste Bauwerk des Ortes.

 

 
 

Drei Zifferblätter (Süden, Westen, Norden) schmücken den 27 m hohen Turm und zeigen die Uhrzeit an.

Vier Glocken (fis, gis, h, cis) ertönen über dem Ort und rufen zum Gottesdienstbesuch herbei.

Auch Turmfalke und Schleier­eule fühlen sich im Turm wohl. Bei einer Visitation im Jahr 1731 wurde vermerkt, dass bei einem Einsturz der Kirche „der Pfarrer samt seiner ganzen Gemeinde unter währendem Gottesdienst erbärmlich erschlagen werden könnte".

Im vergangenen Winter habe der Pfarrer in der Sakristei „bald auf Eis, bald im Wasser wandeln müssen" und auch in der Kirche sei es eisig und  schlüpfrig, so dass man vorsichtig sein müsse, um sich nicht im Gotteshaus den Hals zu brechen.

Endlich am 5. Mai 1738 war die Grundsteinlegung und schon am 24. Juli 1738 konnte die Einweihung der größeren und schöneren Kirche gefeiert werden. Der Neubau wurde je an der Nord- und Südseite um je 3 m verbreitert.

Ein schön gemeißeltes Relief über den Turm-/Kircheingang informiert uns darüber eingehend. Im Jahr 1988 konnte das 250-jährige Kirchenjubiläum festlich begangen werden. In den Jahren 1934 und 1964 mussten Kirchengebäude und Turm erneut einer größeren Renovierung/Sanierung unterzogen werden.

Die durchaus notwendige Innenren­ovierung im Jahr 1964 war leider zu sehr dem modernen Zeitgeist und Fortschrittsglauben verhaftet, so dass die barocke Kanzel an der Südseite, die Orgel mit wunderschö­nem Prospekt und die neutestamentliche Bildergalerie an der nord- und östlichen Empore dem „Bildersturm" zum Opfer fielen.

Die im Zuge der Innenrenovierung nach außen verlegten Epitaphe (Grabdenkmäler) der Herren von Lomersheim (Nähe Mühl­acker) mussten aufgrund der schädlichen Umwelteinflüsse wieder ins Innere des Turm-/Kircheneingangs hereingeholt wer­den.

Erhalten geblieben ist auch das handge­schnitzte hölzerne Epigramm (Gedenkschrift) über die Auflistung der Pfarrer seit dem Jahr 1700 bis in die heuti­ge Zeit, und für den vorherigen Zeitraum ab dem Jahr 1619 die Tätigkeitszeitspanne des jeweiligen Pfarrers, wie immer in schö­ner Deutscher Schrift auf Papier geschrie­ben und eingerahmt und natürlich das kunstvoll gefertigte gotische Kruzifix.

 
 

Den beiden Weltkriegen musste durch die Herausgabe der Glocken für Rüstungszwecke wie überall Tribut gezollt werden.

Nur ein Abglanz dessen waren die nun verwende­ten Stahlglocken, die glücklicherweise bei der Renovierung des Kirchengebäudes im Jahr 1966 ersetzt und auf 4 neue Glocken aufgestockt werden konnten.

Der Spendenbereit­schaft der Bevölkerung war es zu verdanken, dass zu die­sem Zeitpunkt neben den Glocken auch eine neue Orgel angeschafft werden konnte. Das im Jahr 1979 von Herrn v. Saile gestaltete Farbfenster im Chorraum der Kirche - unter Verwendung von Motiven aus dem Leben und der Grablegung Jesu - spiegelt die künstlerische Wiederbelebung des Innenraums der Kirche wieder.

Kaum hatte der Kirchenpfleger ein „Haushaltsloch gestopft" tat sich schon wieder ein neues auf. Im Jahr 1997 musste die dringend notwendige Außenrenovierung der Kirche und des Turms in Angriff genommen werden.

Die Freilegung der Ecksandsteine am Kirchenschiff und die Erneuerung des Putzes war unter Anleitung von Fachleuten das Werk vieler fleißiger Kirchenmitglieder. Der An- und Neubau einer Außentoilette an die Sakristei konnte dadurch ebenfalls zu einem günstigen Zeitpunkt erfolgen.

Zur Freude aller Einwohner glänzt nun, selbst ohne Sonnenschein, das Bautenensemble der Kirche mit Turm und Pfarrhaus im alten Ortskern und in das Neckartal hin­aus.

Im Herbst 2009 wurde schließlich auch der Innenraum der Kirche renoviert und das helle Kirchenschiff wird vom Sonnenlicht durchflutet. Macht hoch die Tür, die Tor macht weit, so zieht Untereisesheim beim Festgottesdienst am 1. Advent 2009 nach den Monaten des Wartens wieder in sein Gotteshaus.

 

 

 

 

∎ Hans Landvatter Literatur.• Ortschronik von Untereisesheim